Wie Angela Merkel Deutschland wirtschaftlich und politisch geschwächt hat

Gastkommentar

Egon Minar

5/29/20263 min read

Von außen betrachtet wirkt Deutschlands Niedergang plötzlich. Die Wirtschaft stagniert, Unternehmen wandern ab, die Infrastruktur zerfällt, die Energiepreise explodieren, und die Bürger verlieren zunehmend das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates. Doch Deutschlands Krise kam nicht über Nacht.

Sie ist das Ergebnis einer Politik des Aufschiebens, Beschwichtigens und Vermeidens grundlegender Reformen. Und keine Politikerin hat diese Ära stärker geprägt als Angela Merkel. Noch immer gilt die frühere Bundeskanzlerin vielen als Garantin von Stabilität und Vernunft. International wird sie bis heute beinahe kultisch verehrt. Doch dieser Mythos beginnt endlich zu bröckeln. Denn immer deutlicher wird: Hinter der scheinbaren Stabilität der Merkel-Jahre verbarg sich eine gefährliche politische Substanzlosigkeit.

Deutschland lebte lange von den Reformen anderer – vor allem von der Agenda 2010 Gerhard Schröders, von der Niedrigzinspolitik der EZB und von einer damals noch starken Industrie. Merkel verwaltete diesen Wohlstand, anstatt die Grundlagen für die Zukunft zu schaffen. Heute zahlen wir die Rechnung. Und sie ist gigantisch.

In meinem Buch „Die 2-Billionen-Euro-Frau“ komme ich anhand zahlreicher Beispiele, wirtschaftlicher Daten und nachvollziehbarer Berechnungen zu dem Schluss, dass Fehlentscheidungen, Versäumnisse und unterlassene Reformen während der Merkel-Jahre Deutschland bislang mindestens zwei Billionen Euro gekostet haben. Zwei Billionen Euro. Eine Summe, die nahezu unvorstellbar erscheint. Aber die Folgen sehen wir inzwischen täglich.

Der teuerste politische Irrtum der deutschen Nachkriegsgeschichte

Besonders sichtbar wurde Merkels Politikstil im Jahr 2015. Mit dem Satz „Wir schaffen das“ öffnete Deutschland faktisch seine Grenzen – ohne ausreichende Vorbereitung, ohne belastbares Integrationskonzept und ohne ernsthafte Diskussion über langfristige Folgen. Bis heute wird jede Kritik an dieser Entscheidung leider immer noch moralisch aufgeladen. Doch Politik darf nicht allein nach guten Absichten bewertet werden, sondern nach ihren Ergebnissen.

Und diese Ergebnisse sind ernüchternd. Die Kosten der Migrationspolitik betragen mittlerweile über 50 Milliarden Euro pro Jahr. Viele Kommunen sind finanziell und organisatorisch überfordert. Schulen, Wohnungsmarkt, Sozialkassen und innere Sicherheit stehen unter enormem Druck.

Besonders problematisch ist: Die Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt verläuft deutlich langsamer als versprochen. Statt nachhaltiger Integration entstanden vielerorts dauerhafte Transferabhängigkeiten.

Deutschland entwickelte innerhalb Europas die größte Sogwirkung für Migration – auch wegen seiner besonders großzügigen Sozialleistungen.

Darüber hätte offen diskutiert werden müssen. Doch genau diese Debatte wurde jahrelang unterdrückt.

Die Energiepolitik: Ein historisches Desaster

Noch gravierender sind die Folgen der Merkel’schen Energiepolitik. Der überstürzte Atomausstieg nach Fukushima war keine rationale energiepolitische Entscheidung, sondern eine panische Reaktion auf Stimmungen und Umfragen. Gleichzeitig wurde der Ausbau erneuerbarer Energien ineffizient und widersprüchlich organisiert.

Das bedauerliche Ergebnis erleben wir heute: Deutschland hat mit die höchsten Energiepreise der Welt. Für Industrieunternehmen bedeutet das einen massiven Wettbewerbsnachteil. Für viele Mittelständler wird Energie mittlerweile zur Existenzfrage. Internationale Konzerne investieren zunehmend im Ausland, während Deutschland als Industriestandort an Attraktivität verliert.

Hinzu kam Merkels fatale Russlandpolitik. Die politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von russischem Gas wurde über Jahre hinweg systematisch ausgebaut – trotz zahlreicher Warnungen aus Osteuropa, aus den USA und aus vielen anderen europäischen Ländern. Die Fehleinschätzung Wladimir Putins zählt rückblickend zu den schwersten außen- und wirtschaftspolitischen Fehlern der deutschen Nachkriegsgeschichte. Mit Beginn des Ukraine-Krieges detonierte diese politische Zeitbombe.

Deutschland wurde verwaltet statt modernisiert

Angela Merkel regierte Deutschland 16 Jahre lang. Doch welche großen Zukunftsreformen bleiben von dieser Zeit? Die Digitalisierung wurde verschlafen. Die deutschen Infrastrukturen verfielen. Der Fachkräftemangel wurde ignoriert. Das Rentensystem blieb unreformiert. Der Wohnungsbau stagnierte. Die Bürokratie explodierte. Deutschland wurde nicht gestaltet, sondern verwaltet. Und dies sehr schlecht.

Während andere Länder massiv in neue Technologien, Innovationen und Infrastrukturen investierten, ruhte sich Deutschland auf alten Erfolgen aus. Das Land lebte und lebt von seiner Substanz – wirtschaftlich, infrastrukturell und gesellschaftlich.

Heute zeigt sich das überall: marode Brücken, überlastete Bahnnetze, schleppende Genehmigungsverfahren, digitale Rückständigkeit und eine Verwaltung, die Unternehmen und Bürger zunehmend lähmt. Der Investitionsstau beträgt inzwischen rund 1,4 Billionen Euro. Das ist kein Betriebsunfall. Das ist das Ergebnis jahrelanger politischer Versäumnisse.

Der gefährliche Mythos der „alternativlosen Politik“

Merkels wohl größter politischer Schaden liegt jedoch tiefer. Sie etablierte eine politische Kultur der Alternativlosigkeit. Große gesellschaftliche Debatten wurden nicht mehr offen geführt, sondern moralisch eingehegt. Kritische Stimmen galten schnell als populistisch oder unsolidarisch. Doch Demokratie lebt vom offenen Streit über den richtigen Weg. Wer Probleme verdrängt, löst sie nicht. Er verschiebt sie lediglich in die Zukunft – meist mit deutlich höheren Kosten.

Genau das erleben wir heute. Deutschland befindet sich wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch in einer der schwierigsten Phasen seit Jahrzehnten. Und viele dieser Probleme entstanden nicht plötzlich, sondern wuchsen über Jahre hinweg unter der Oberfläche.

Deutschland braucht wieder Mut zur Realität

Es geht nicht darum, Angela Merkel allein für sämtliche Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen. Politik ist immer auch das Ergebnis von Parteien, Koalitionen, Institutionen und gesellschaftlichen Stimmungen. Aber wer 16 Jahre lang ein Land regiert, trägt Verantwortung für dessen Zustand.

Deutschland braucht deshalb endlich wieder Ehrlichkeit statt politischer Schönfärberei. Probleme müssen klar benannt werden – unabhängig davon, ob sie ideologisch unbequem sind. Vor allem aber braucht Deutschland wieder Mut zu Reformen:

  • weniger Bürokratie,

  • mehr Leistungsanreize,

  • massive Investitionen in Infrastruktur und Bildung,

  • wettbewerbsfähige Energiepreise,

  • echte Digitalisierung,

  • und eine Politik, die langfristig denkt, statt nur kurzfristig Krisen zu verwalten.

Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob Deutschland Fehler gemacht hat. Die entscheidende Frage lautet: Wie lange kann sich dieses Land weitere politische Illusionen noch leisten? Weitere Informationen unter: www.egonminar.eu

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